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FAQ

Häufige Fragen zu HundeCoachings

Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen zu Nasenarbeit,
Mantrailing und Social Walk, zu Bindung und Systemen
sowie zu meiner Praxis und Arbeitsweise.

Praxis & Ablauf

Was bedeutet „geschützter Rahmen“ und Schweigepflicht?

Alles, was Sie sagen, bleibt vertraulich. Als Diplom-Psychologin unterliege ich der gesetzlichen Schweigepflicht. Zusätzlich verpflichte ich mich als DGSF-Mitglied zur Verschwiegenheit – für all meine Coachingangebote gleichermaßen.

Bieten Sie auch Online-Sitzungen an?

Ja. Termine sind auch als Online-Termin (i.d.R. per Zoom) möglich.

Was kostet eine Sitzung?

Die Kosten variieren je nach Art und Umfang. Im Erstgespräch klären wir alle Details transparent. Mehr zu den Preisen finden Sie unter Honorar.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für systemische oder tiergestützte Therapie?

In der Regel werden die Kosten für systemische oder tiergestützte Angebote nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Grundsätzlich finanzieren Krankenkassen in erster Linie die Behandlung von Erkrankungen – nicht jedoch Beratungs- oder Begleitungsprozesse im Zusammenhang mit Beziehungen.

Im Einzelfall kann es dennoch sinnvoll sein, dies vorab mit Ihrer Krankenkasse zu klären.

Was passiert, wenn ich einen Termin absagen muss?

Bitte sagen Sie vereinbarte Termine so früh wie möglich ab – schön wäre, wenn ich es 14 Tage vorher wüsste. Erfolgt die Absage weniger als zwei Werktage (48 Std.) vorher und kann der Termin nicht weitergegeben werden, stelle ich ein Ausfallhonorar in Rechnung.

Grundlagen & Begriffe

Was ist ein soziales System?

Ein soziales System – hier oft verkürzt auch einfach „System“ genannt – ist ein Gefüge von Lebewesen, die miteinander in Beziehung stehen – zum Beispiel eine Familie, ein Team oder auch ein Mensch-Hund-System.

Die einzelnen Beteiligten beeinflussen sich gegenseitig, oft ohne dass es bewusst wahrgenommen wird.

Im systemischen Ansatz wird dieses Zusammenspiel als wichtiger Ausgangspunkt für Veränderung gesehen.

Dabei wird das gesamte System als Ressource verstanden – also als etwas, das zur Lösungsfindung beitragen kann.

Im hier gemeinten Kontext ist der Hund als soziales Wesen selbstverständlich Teil dieses Systems.

Was sind Systemiker?

Systemiker/-innen arbeiten mit sozialen Systemen – zum Beispiel Familien oder Teams.

Dabei betrachten sie Probleme nicht isoliert, sondern im Zusammenhang der Beziehungen und Muster im System.

Im systemischen Verständnis wird ein Problem oft als ein Lösungsversuch gesehen – einer, der für jemanden im System (noch) nicht gut passt.

Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die für alle Beteiligten stimmiger sind und das System insgesamt entlasten und stärken.

Warum unterscheiden Sie hier nicht zwischen Beziehung und Bindung?

In der Fachwelt wird häufig zwischen Beziehung und Bindung unterschieden – und das ist auch sinnvoll, da damit unterschiedliche Aspekte des Zusammenlebens beschrieben werden: Beziehung meint eher das gemeinsam gelebte Miteinander im Alltag, Bindung beschreibt mehr die emotionale Sicherheit, Nähe und Verlässlichkeit.

Ich verwende hier bewusst den Begriff Beziehung, weil er im Alltag geläufiger ist. Wenn wir von Beziehungen sprechen, meinen wir ganz unterschiedliche Formen von Verbindung – von eher funktionalen Kontakten bis hin zu sehr engen, vertrauensvollen Bindungen. Sprechen wir von „meiner Beziehung“, meinen wir in der Regel die Beziehung zum Partner oder zur Partnerin – eine vertrauensvolle, verbundene Beziehung zwischen zwei Personen, die auch einen gemeinsamen Alltag miteinander leben.

Ähnlich verwende ich den Begriff auch, wenn es um eine vertrauensvolle, verbundene Beziehung zwischen Mensch und Hund geht.

Auch im beruflichen Kontext entsteht in Beziehungen immer ein gewisses Maß an Verbindlichkeit und Vertrauen – sonst wäre Zusammenarbeit kaum möglich. Gleichzeitig ist diese Verbindung natürlich anders ausgeprägt als etwa eine Partnerschaft oder die Beziehung zum eigenen Hund.

Es geht mir also weniger um die begriffliche Unterscheidung, sondern darum, wie diese Beziehung gestaltet ist – und wie sie so gestaltet werden kann, dass sie von Vertrauen getragen ist.

Im Hintergrund geht es dabei auch um das Zusammenspiel von Verbundenheit und Autonomie – warum beides wichtig ist, wird im folgenden FAQ näher beschrieben.

Warum sind Verbundenheit und Autonomie wichtig?

Für ein entspanntes Miteinander braucht es beides: Verbundenheit und Autonomie.

Ein Hund sollte sich sicher, verbunden und aufgehoben fühlen dürfen – und gleichzeitig die Möglichkeit haben, eigenständig Erfahrungen zu machen, die Welt zu entdecken und eigene Kompetenzen zu entwickeln.

Zu viel Verbundenheit kann zu Unsicherheit, übermäßiger Kontrolle oder emotionaler Abhängigkeit führen. Zu viel Autonomie dagegen kann Distanz oder sogar Beziehungsabbruch begünstigen.

Die theoretische Grundlage dafür beschreibt in der Psychologie das Differenzierungskonzept. Vereinfacht gesagt geht es dabei um das Spannungsfeld zwischen Verbundenheit und Autonomie, zwischen denen sich Menschen in ihren Beziehungen fortlaufend bewegen.

Wären Verbundenheit und Autonomie die beiden Pole einer Skala, läge das theoretische Ideal in einem starren Punkt genau in der Mitte dieser Skala. Da dies praktisch kaum erreichbar ist, wäre das praktische Ideal ein möglichst kleiner Bereich um diesen Mittelpunkt herum, wobei die Ausschläge in Richtung der einen oder anderen Seite möglichst ausbalanciert bleiben.

Dabei hilft die Fähigkeit, sowohl Verbundenheit als auch Autonomie auszuhalten, ohne sich selbst oder das Gegenüber zu verlieren.

Beobachtet man Hunde im sozialen Miteinander, zeigen sie häufig ganz selbstverständlich ein sehr ausbalanciertes Zusammenspiel von Verbundenheit und Autonomie. Vielleicht können wir Menschen hier manchmal auch etwas von unseren Hunden lernen.

Bei gemeinsamer Arbeit – etwa beim Mantrailing – zeigt sich dieses Zusammenspiel oft sehr deutlich: Der Hund arbeitet eigenständig und autonom, ohne die Beziehung aufzugeben – er bleibt mit seinem Menschen in Verbindung.

So zeichnet der Hund durch sein Tun quasi ein sehr anschauliches Bild dafür, wie dieses eher theoretische und trockene Modell der Differenzierung praktisch gelebt aussehen kann – vielleicht wird es dadurch auch ein Stück vorstellbarer.

Welche wissenschaftlichen Grundlagen prägen Ihre Arbeit an Veränderungen?

Meine Arbeitsweise verbindet Erkenntnisse aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen:

  • Albert Bandura: Selbstwirksamkeit – Menschen entwickeln Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, wenn sie erleben, dass ihr Handeln Wirkung hat.
  • B. F. Skinner: Operantes Lernen – Verhalten wird durch seine Konsequenzen beeinflusst; Lernen gelingt leichter, wenn erwünschtes Verhalten erfolgreich sein kann.
  • Karen Pryor, Bob Bailey, Viviane Theby u. a.: Positive Verstärkung und Gestaltung von Lernsituationen, in denen erfolgreiches Lernen wahrscheinlicher wird.
  • Paul Watzlawick und das systemisch-konstruktivistische Denken: Menschen erleben und deuten Wirklichkeit unterschiedlich. Neue Perspektiven eröffnen neue Handlungsmöglichkeiten.
  • Systemisches Coaching: Nachhaltige Veränderungen entstehen nicht durch Druck, sondern durch neue Erfahrungen, Perspektiven und die Aktivierung eigener Ressourcen.
  • Joachim Bauer und die Spiegelneuronen:
    Menschen und viele soziale Tiere reagieren auf das Verhalten ihres Gegenübers. Authentizität, Ruhe und Klarheit wirken ansteckend. Veränderungen beim Menschen beeinflussen deshalb häufig auch die Beziehung zum Hund – nicht durch Druck, sondern durch das, was im gemeinsamen Miteinander erlebbar wird.

Praktisch umgesetzt bedeutet das, Situationen zu gestalten, in denen Individuen erleben können, dass ihr eigenes Handeln etwas bewirkt. Solche Erfahrungen fördern Lernen und leiten nachhaltige Veränderungen ein.

„Zwischenartlich“ – Was ist das?

„Zwischenartlich“ oder auch „interspezifisch“ beschreibt etwas, das zwischen zwei unterschiedlichen Arten geschieht.

In diesem Zusammenhang sind das:

  • der Mensch (Homo sapiens)
  • und der Hund (Canis lupus familiaris)

Zwei Arten, die sich deutlich unterscheiden –
in ihrer Wahrnehmung, ihrer Kommunikation und ihrer Art, die Welt zu erleben.

Und gleichzeitig zwei Arten, die seit sehr langer Zeit eng miteinander verbunden sind.*

Warum genau sich Mensch und Hund verbunden haben, lässt sich nicht eindeutig sagen – vermutlich, weil es für beide Seiten stimmig war.

Wir leben gemeinsam in einer Welt, die vor allem vom Menschen gestaltet wurde. Für Hunde bringt das Herausforderungen mit sich – etwa im Umgang mit Reizen, die für sie eigentlich nicht relevant sind und die sie sich so nicht aussuchen würden.

Und gleichzeitig entsteht dort, wo sich zwei so unterschiedliche Arten begegnen, etwas Neues, etwas Eigenes –
eine Form von Beziehung, Kommunikation und Zusammenarbeit, die weder rein menschlich noch rein hündisch ist – und zutiefst sozial.

Vielleicht ist es genau deshalb so, dass wir – diese zwei Arten – uns gefunden haben und beieinander geblieben sind.

Das meine ich mit „zwischenartlich“.

Als Körpersprachler lernt der Hund meist sehr schnell, uns zu lesen. Doch wir – manchmal ein wenig verkopft – tun uns da oft schwerer: diese „Fremdsprache“ zu verstehen und uns in dieser wortlosen Form überhaupt zu verständigen. Auch deshalb üben wir.

–––––

* Wissenschaftliche Einschätzungen variieren.
Man geht heute davon aus, dass sich die Wege von Mensch und Hund vor vielen tausend Jahren verbunden haben – quasi zu einer Zeit, als der Hund noch Wolf war.

Kurt Kotrschal (2022) beschreibt, dass sich die Genome von Wolf und Hund vor etwa 35.000 Jahren zu unterscheiden begannen.

Hund & Arbeit

Seit wann gibt es Mantrailing bzw. Personensuche?

Die Fähigkeit von Hunden, einer individuellen Spur zu folgen, ist so alt wie der Hund selbst – sie gehört zu den grundlegenden Verhaltensweisen des Hundes und zeigt sich bis heute: Wenn ein Hund einer Spur folgt, nutzt er genau das Verhaltensmuster, das Teil seiner natürlichen Jagdabfolge ist.

Die Fähigkeit, zusammen mit dem Menschen einer solchen individuellen Spur zu folgen, ist ebenfalls sehr alt. Archäologische Funde (z. B. etwa 8000 Jahre alte Felszeichnungen) zeigen, dass Hunde bereits früh im Zusammenhang mit der Jagd eingesetzt wurden – möglicherweise zur Spurensuche. Es liegt nahe, dass Menschen diese Fähigkeit schon sehr früh für sich genutzt haben. In welcher Form genau, lässt sich heute nur teilweise rekonstruieren.*

Im Mittelalter (ca. 11.–15. Jahrhundert) gibt es klare Hinweise darauf, dass Hunde gezielt zur Spurverfolgung über Geruch eingesetzt wurden – vor allem im Kontext der Jagd. Beispiele finden sich u. a. im Livre de Chasse von Gaston Phoebus (14. Jh.) sowie im Master of Game (15. Jh.).

Die gezielte Personensuche – also der individuellen Spur eines Menschen zu folgen, wie wir es heute im Mantrailing kennen – ist historisch erst ab dem 18. Jahrhundert belegt.

Besonders bekannt ist die Suche mit dem sogenannten Bloodhound, der früh für seine feine Nase geschätzt wurde – und für seine Fähigkeit, einzelne Menschen über weite Strecken zu verfolgen.

Auch wenn diese Fähigkeit in der Geschichte teilweise in problematischen Kontexten genutzt wurde – etwa bei der Verfolgung geflohener Menschen im 18. und 19. Jahrhundert – bildet sie die Grundlage für das, was wir heute als Personensuche kennen.

Das moderne Mantrailing, wie wir es heute trainieren und verstehen, hat sich vor allem im 20. Jahrhundert (ab ca. 1900) entwickelt – insbesondere im Bereich der Such- und Rettungshundearbeit sowie bei Polizei und Zoll – also im Einsatz. Im Einsatz-, Polizei- und Diensthundebereich spricht man dabei häufig auch vom Personenspürhund. Heute unterscheiden wir hauptsächlich zwischen den Einsatztrailern und den Freizeittrailern, häufig auch Funtrailer oder Hobbytrailer genannt.

Mantrailing steht inzwischen auch für artgerechte Auslastung, konzentrierte Nasenarbeit und die gemeinsame Entwicklung von Mensch und Hund als Team – idealerweise getragen von Beziehung und Zusammenarbeit. Vielleicht ist genau diese stimmige Verbindung ein wichtiger Grund dafür, warum sich Mantrailing heute weit über den ursprünglichen Einsatzbereich hinaus großer Beliebtheit erfreut.

Was ist Fährtenarbeit?

Fährtenarbeit ist eine Spurensuche im Gelände und gehört auch zu den artgerechten Beschäftigungen. Auch hier folgt der Hund einer Spur. Anders als beim Mantrailing sucht er jedoch keine Person über den Individualgeruch, sondern die gegangene Spur – anhand der sogenannten Bodenverletzung.

Die Fährte wird dazu in eine Wiese oder ins Gelände gelegt: Eine Person geht eine Strecke, wobei durch gedrückte Pflanzenteile sowie Veränderungen im Boden – etwa durch aufgewirbelte oder verdichtete Erde und Mikroorganismen – eine Spur entsteht.

Die Hunde arbeiten auf der Fährte in der Regel ruhig, konzentriert und mit hoher Aufmerksamkeit – eine Form der Auslastung, die zur Ruhe und Entspannung beiträgt.

Ich schätze diese Form der Suche seit vielen Jahren – als ruhige Auslastung, die Hunde nicht hochdrehen lässt.

Für die Hundegesundheit braucht es geeignete Flächen: möglichst ungedüngte Wiesen und Bereiche, in denen Ihr Hund in Ruhe arbeiten kann.

Warum wirkt ein Social Walk oft „stärker“, als man zunächst vermuten würde?

Viele Menschen wundern sich, dass ihr Hund nach einem Social Walk – trotz eher ruhigem Ablauf – deutlich müde oder ausgelastet wirkt.

Eine mögliche Erklärung liegt in der mentalen und sozialen Verarbeitung:
Hunde nehmen wahr, ordnen ein und regulieren sich immer wieder neu – oft über einen längeren Zeitraum hinweg.

Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung und zur kognitiven Auslastung bei Hunden legen nahe, dass dabei mehrere Faktoren zusammenwirken:

  • Wahrnehmen und Einordnen von Reizen
  • Selbstkontrolle und Impulskontrolle (z. B. nicht auf jeden Reiz zu reagieren)
  • fortlaufende Anpassung an eine soziale Situation

Soziale Situationen sind für Hunde komplex:
Sie erfassen fortlaufend Signale anderer Hunde und stimmen ihr Verhalten darauf ab.

Ein Social Walk bündelt viele dieser Aspekte:
Ihr Hund nimmt andere Hunde wahr, bleibt dabei ansprechbar und reguliert sich immer wieder neu.

Das kann dazu führen, dass ein solcher Spaziergang auf mehreren Ebenen nachwirkt – stärker, als man es einem Spaziergang zunächst zutrauen würde.


Quellen & Einordnung

  • Kurt Kotrschal (2012):
    Wolf, Hund, Mensch – Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung. Wien: Brandstätter.
  • Kurt Kotrschal (2022):
    Hund & Mensch – Das Geheimnis unserer Seelenverwandtschaft (4. Aufl.).
  • Ádám Miklósi (2015):
    Dog Behaviour, Evolution, and Cognition (2nd ed.). Oxford University Press.

Diese Arbeiten beschreiben Hunde als soziale, kooperativ ausgerichtete Lebewesen und geben Einblicke in Wahrnehmung, Kognition und Verhalten im sozialen Kontext.

Darüber hinaus gibt es Forschung zur kognitiven Auslastung (cognitive enrichment) bei Hunden, die zeigt, dass geistige Anforderungen Verhalten und Regulation beeinflussen können.

Nasenarbeit – wissenschaftlich eingeordnet

Welche Rolle spielt die kognitive Auslastung bei der Nasenarbeit?

Zur Auslastung gehören körperliche, kognitive, soziale und emotionale Aspekte. Die folgenden Abschnitte beleuchten diese Bereiche am Beispiel der Nasenarbeit.

Nasenarbeit spricht Körper, Kopf und Beziehung an.  Studien zur sogenannten „cognitive enrichment“ (also zu geistig fördernden Beschäftigungen) zeigen, dass geistige Aufgaben (z. B. Suchen, Problemlösen) Verhalten und Stressregulation positiv beeinflussen können.

Hunde werden dabei oft ruhiger und ausgeglichener, ohne dass sie körperlich „ausgepowert werden müssen“.

Es geht also nicht um „mehr tun“, sondern darum, passend zu fordern.

Quellen:
Ádám Miklósi (2015): Dog Behaviour, Evolution, and Cognition (2nd ed.). Oxford: Oxford University Press.
Clive D. L. Wynne (2019): Dog Is Love: Why and How Your Dog Loves You. Princeton: Princeton University Press.

Wieso ist Riechen eine zentrale Sinnesleistung beim Hund?

Der Geruchssinn ist beim Hund der dominierende Sinn.

Hunde verfügen über deutlich mehr Riechzellen als Menschen und können Gerüche differenziert wahrnehmen und verfolgen.

Zur Vorstellung lässt sich das für uns Menschen so beschreiben:
Es wäre, als könnten wir aus einem fertigen Gericht jede einzelne Zutat herausriechen – und allein über den Geruch eine „Einkaufsliste“ erstellen, bis hin zu jedem einzelnen darin enthaltenen Gewürz – selbst zu den Bestandteilen einer Gewürzmischung.

Für Hunde ist Riechen kein Zusatz – sondern ihre Hauptform, die Welt zu verstehen.

Quellen:
Alexandra Horowitz (2016): Being a Dog: Following the Dog into a World of Smell. New York: Scribner.
Ádám Miklósi (2015): Dog Behaviour, Evolution, and Cognition (2nd ed.). Oxford: Oxford University Press.

Wie hängen Sucharbeit und Selbstwirksamkeit zusammen?

Wenn Hunde suchen und finden, erleben sie eine Form von Selbstwirksamkeit. Schon das Suchen an sich kann für Hunde eine belohnende Qualität haben – eine Einordnung, die sich auch in der Forschung zu Suchverhalten und kognitiver Auslastung bei Tieren wiederfindet.

Mit ihrer Nase sind Hunde uns Menschen klar überlegen – sie können damit Dinge finden, die wir Menschen mit unserer Nase nicht wahrnehmen können.

Das kann sich positiv auf die Selbstsicherheit, das Selbstvertrauen und die Stressverarbeitung auswirken.

Bei unsicheren oder schnell erregbaren Hunden wird das oft besonders deutlich, weil Veränderungen hier häufig schneller und für uns gut sichtbar werden – auch im Alltag.
Wenn wir dann mehr Sicherheit beim Hund beobachten, liegt die Vermutung nahe, dass auch Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gestärkt werden. Das lässt sich beim Tier jedoch nicht direkt messen – sichtbar ist vor allem die gewachsene Sicherheit im Verhalten.

Quellen (mit Einordnung):

Markus Heinrichs, Tania Singer (2008): Social support and oxytocin interact to suppress cortisol and subjective responses to psychosocial stress. Biological Psychiatry, 64(2), 138–144.
(Übertragene Forschung zu sozialer Unterstützung, Oxytocin & Stressregulation (Mensch))

Young, R. J. (2003): Environmental Enrichment for Captive Animals. Oxford: Blackwell Science.
(Forschung zu kognitiver Auslastung bei Tieren)

Warum kann Nasenarbeit zur Stressregulation beitragen?

Nicht selten hört man: „Der soll sich ruhig mal müde laufen, spielen oder arbeiten.“

Doch nicht jede Aktivität reduziert Stress. Im Gegenteil: Stark aktivierende Spiele beispielsweise können die Erregung auch erhöhen.

Stressregulation durch kontrollierte Aktivität:

Ruhige, strukturierte Aufgaben wie Suchaufgaben unterstützen eher die Selbstregulation und helfen dem Hund, in einen ausgeglichenen Zustand zu kommen.

Quelle (Einordnung):
Daniel S. Mills & Sophie Hall (2014): Animal-assisted interventions: making better use of the human–animal bond. Veterinary Record, 174(11), 269–273.

Mills, D. S., Karagiannis, C., Zulch, H. (2014): Stress—its effects on health and behaviour: a guide for practitioners. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 44(3), 525–541.

Wie werden Mensch und Hund durch Nasenarbeit zu einem Team?

Gemeinsam gelöste Aufgaben lassen aus Einzelnen ein Team werden.

Ähnlich wie bei Teambuilding-Maßnahmen für Menschen fördern gemeinsam bewältigte Aufgaben auch zwischen Mensch und Hund Lern- sowie Entwicklungsprozesse auf beiden Seiten. Diese stärken das gegenseitige Verstehen, das Vertrauen und die Fähigkeit, sich aufeinander einzustimmen. Dabei entwickeln sich insbesondere Wahrnehmung, Kommunikation und Timing. 

Man könnte meinen, der Hund sei der Einzige, der hier arbeitet. Tatsächlich übernimmt er zwar die Sucharbeit, doch auch der Mensch hat eine wichtige Aufgabe: Er lernt wahrzunehmen, zu beobachten, den Hund passend zu unterstützen und ihm den richtigen Rahmen zu geben.

Gerade durch die Arbeit mit Videoaufnahmen lassen sich diese Prozesse oft besonders gut sichtbar machen – zum Beispiel in der Zeitlupe, in der feine Abstimmungen überhaupt erst erkennbar werden. Durch Übung stimmen sich Mensch und Hund zunehmend feiner aufeinander ab.

Quellen:
Kotrschal, Kurt (2012): Wolf, Hund, Mensch – Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung. Wien: Brandstätter.
Kotrschal, Kurt (2022): Hund & Mensch – Das Geheimnis unserer Seelenverwandtschaft (4. Aufl.). Wien: Brandstätter.
Ádám Miklósi (2015): Dog Behaviour, Evolution, and Cognition (2nd ed.). Oxford: Oxford University Press.


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